Das beste AI Tool ist nicht die Lösung

Martina Otruba

Viele Unternehmen beklagen, dass AI im Alltag nichts verändert. Statt der erwünschten Effizienzsteigerung führt das AI Projekt zu Frust, Budget- und Akzeptanzproblemen. Der Grund liegt selten im Tool – sondern oft im fehlenden Problemverständnis.

Wenn Unternehmen sich mit AI-Tools beschäftigen, startet die Diskussion oft mit der Frage: „Was ist das beste Tool?“ Eine berechtigte Frage – aber leider auch der falsche Einstieg. Denn die bessere Frage lautet: „Welches Tool passt zu unserem Use Case?“

Warum? Weil es das beste Tool im Allgemeinen nicht gibt. Was es jedoch gibt, ist das Tool, das optimal zu deinem spezifischen Anwendungsfall passt.

Um genau dieses optimale Tool zu finden, arbeiten wir mit unseren Consulting-Kunden nach einem strukturierten und praxisbewährten Prozess:

Step 1: Versteh deinen Use Case (wirklich!)

Bevor es überhaupt zur Evaluierung von Tools kommen kann, brauchst du Klarheit über deinen Prozess. Und nein, das beginnt nicht im digitalen Whiteboard, sondern ganz analog: mit vielen, bunten Post-its, den Kollegen, einem großen Tisch und unserem Use Case Canvas.

Unser Use Case Canvas wurde auf Basis unserer Erfahrung mit unserem eigenen Prozess und dem unserer Consulting-Kunden Schritt für Schritt entwickelt. Er dient als Hilfsmittel, um einen bestimmten Anwendungsfall aus verschiedensten Perspektiven zu beleuchten. Dazu zählen:

  1. Ist-Zustand: Was ist der Status quo? Wie läuft der Prozess bisher?
  2. Problemraum: Wo genau liegt das Problem? Wer ist betroffen?
  3. Zielraum: Was soll sich ändern? Was wäre ein messbarer Erfolg?
  4. Lösungsraum: Welche Ideen gibt es bereits? Was wäre denkbar?
  5. Testraum: Welche Anforderungen ergeben sich daraus? Welche Kriterien sind uns wichtig?
  6. Hindernisse & Risiken: Was könnte schiefgehen? Was müssen wir im Blick behalten?
  7. Toolvorschläge: Welche Tools könnten passen – und warum?

Dieser strukturierte Blick hilft, Komplexität zu reduzieren und das Problem wirklich zu verstehen. Wichtig: Wir machen das nie allein. Ein kleines, diverses Team bringt mehr Perspektiven und bessere Ideen.

Spannend ist: Im Verlauf der Analyse zeigt sich manchmal auch, dass die beste Lösung gar keine AI braucht. Stattdessen lässt sich das Problem durch Prozessanpassung, Automatisierung oder bessere Kommunikation schneller und effektiver lösen. Auch das ist ein Erfolg – weil es zeigt, dass wir nicht der Technologie wegen handeln, sondern mit echtem Ziel.

Oder anders gesagt:

Nicht jedes Problem braucht AI – aber jedes gute AI-Projekt braucht ein echtes Problem.

Step 2: Kriterien definieren & Tools shortlisten

Erst wenn wir den Use Case und die Problemstellung wirklich verstehen, leiten wir konkrete Toolkriterien ab. Was brauchen wir wirklich? Muss das Tool z. B. multilingual sein? API-Zugänge haben? DSGVO-konform sein? Eine intuitive UI bieten?

Auf Basis dieser Kriterien erstellen wir eine Shortlist mit 1–2 Tools, die dann von sogenannten „AI Champions“ getestet werden. Das sind Power-User, die das Tool im Alltag ausprobieren und systematisch Feedback geben.

Step 3: Testphase & Rollout

Die Champions testen nicht nur Features, sondern bewerten auch, ob das Tool wirklich Mehrwert bringt. Erst nachdem die Tools auf Herz und Nieren getestet wurden, wird die Entscheidung für ein Tool getroffen. Anschließend erfolgt der Rollout – zielgerichtet, mit Buy-in der Nutzer*innen und meist mit deutlich höherer Erfolgsquote.

Warum dieser Weg funktioniert

  • Vermeidet Fehlkäufe: Keine Lizenz für ein Tool, das am Bedarf vorbei geht.
  • Erzeugt Akzeptanz: Nutzer*innen sind von Anfang an involviert.
  • Bringt echte Lösungen: Fokus auf Nutzen statt Hype.

Aber es gibt doch sicher auch Nachteile?

Der strukturierte Prozess braucht Zeit. Wer nur schnell ein Tool testen will, könnte ihn als zu aufwändig empfinden. Aber genau hier liegt der Denkfehler: Schnellschüsse kosten am Ende oft mehr – Zeit, Geld, und Nerven.

Kurz zusammengefasst

AI ist kein Selbstzweck. Tools allein machen noch keinen Fortschritt. Erst wenn du weißt, was du lösen willst und wie das geht, wird aus Technologie echter Mehrwert. Und das beste Tool? Das findet sich ganz nebenbei, wenn der Prozess stimmt.

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